Jetzt aber bitte nicht schadenfroh lachen: Finanzämter über Anrufbeantworter geplündert

Hacking von Telefonanlagen der Finanzämter: Das LKA Baden-Württemberg warnt vor einer  Attacke der Gebührenbetrüger. Kriminelle Hacker nehmen vermehrt Finanzämter in Baden-Württemberg ins Visier. Den bislang unbekannten Straftätern gelang es bereits in mehreren Fällen die Telefonanlagen von Finanzämtern zu hacken.

Sie konnten so über Anschlüsse des Finanzamts mehrere Sondernummern im Ausland anrufen. Dadurch verursachten die Täter Vermögensschaden von jeweils mehreren Tausend Euro, die leicht hätten verhindert werden können, sagt das LKA. Das Vorgehen der Täter ist nicht neu, wohl aber die Finanzämter als deren Zielobjekte.

Doch die betroffenen Finanzämter sind da nicht alleine. Auch die Telefonanlage der Seitz-Mediengruppe/Network-Karriere wurde mehrfach gehakt. Über den zentralen Anrufbeantworter wurde Nachts und am Wochenende im Minutentakt eine kostenpflichtige Sondernummer in Estland angerufen. Der Schaden beläuft sich auf weit über 10.000 Euro. Die Anrufbeantworter worden nun komplett abgeschaltet. Wer außerhalb der üblichen Geschäftszeiten etwas loswerden möchte, sollte bitte eine E-Mail an verlag@network-karriere.com schicken.

Jeder Anschluss kann in die Hackerfalle tappen!
 
Die Hacker verschaffen sich meist am Wochenende über das Telefonnetz oder das Internet (je nach genutztem System) Zugang zur Telefonanlage. Dann manipulieren sie die Telefonanlage so, dass diese automatisiert Rufnummern im Ausland anwählt. Ein häufig genutztes Einfallstor sind persönliche Sprachboxen (integrierte Anrufbeantworter), bei denen noch das werksseitig vergebene Standardpasswort (z.B. 0000) hinterlegt ist oder nur in eine leicht zu erratende Ziffernfolge (z.B. 1234) abgeändert wurde. Wenn über die Sprachboxen außerdem auch Telefonverbindungen nach außen auf-gebaut werden können, schlagen die Täter zu. Die Wahrscheinlichkeit eines Angriffs auf ungeschützte Systeme ist deshalb sehr hoch.

Um Telefonanlagen vor derartigen Angriffen zu schützen,rät das Landeskriminalamt dringend zu folgenden Vorsichtsmaßnahmen:

1. Prüfen Sie, ob Ihr Telefonanschluss über eine Sprachbox verfügt und ob darüber eine externe Telefonverbindung hergestellt werden kann. Sollte dies der Fall sein, deaktivieren Sie deren Rufumleitung und die Möglichkeit Verbindungen in das öffentliche Telefonnetz aufzubauen. Dies ist an jedem Telefon möglich.

2. Schützen Sie Ihre Sprachboxen mit individuellen und sicheren Passwörtern. Werksseitig voreingestellte Passwörter müssen zwingend geändert werden.

3. Sperren Sie grundsätzlich nicht benötigte Zielrufnummern (z.B. Auslandsnummern, Sonderrufnummern).

4. Aktualisieren Sie regelmäßig die Software Ihres Telekommunikationssystems. Nach Durchführung eines Updates sollten Sie darauf achten, dass Ihr Passwort nicht automatisch zurückgesetzt wurde.

5. Prüfen Sie mehrmals im Monat die laufenden Telefongebühren. So können Angriffe frühzeitig erkannt und weiterer Schaden abgewendet werden.

6. Sollte Ihr Telekommunikationssystem eine Verbindung zum Internet besitzen sind erhöhte Schutzanforderungen zu beachten. Setzen Sie sich in diesem Fall mit den IT Experten Ihres Hauses in Verbindung.

 

Landeskriminalamt Baden Württemberg

Kommentar schreiben

Kommentare: 0