Amoklauf der sozialen Medien

Der Amoklauf in München ist eine Katastrophe. Damit ist alles gesagt. Punkt. Dass die Medien darüber berichten, ist deren Aufgabe und Job. Die Frage ist allerdings immer, wie über solche Ereignisse berichtet wird.

Paris, Nizza, München, müssen wir wirklich stun­denlang Handyvideos von Toten, Schwer­verletzten, einem wild um sich schließenden Amokläufer oder ein Parkdeck-Amateur-Interview mit einem Massenmörder serviert bekommen?

 

Wie verrückt ist denn das, wenn man vor einem Kugelhagel flüchtet, jedoch nicht ohne vorher die Videofunktion auf dem Handy zu aktivieren? Oder die Polizei zu filmen, wie sie mit Maschinenpistolen bewaffnet durch die Straßen stürmen? Die Leute machen einen lebensgefährlichen Job und werden von Gaffern als Nervenkitzel-Video in Facebook & Co. missbraucht. Like me please!

 

Nicht weniger schlimm finde ich, wenn wie in München geschehen, irgendwelche überdrehte Spinner oder Wichtigtuer über die sozialen Medien Falschmeldungen über angebliche weitere Terroranschläge in anderen Stadtteilen die Angst der Bevölkerung anheizen und die Einsatzkräfte mehrfach durch die Stadt jagen.

 

Teilweise hatte man durch die abstruse Berichterstattung mit hunderten nichtssagenden Videoschnipselchen noch Stunden nach dem fürchterlichen Amoklauf in München den Eindruck, als befinde sich ganz Deutschland im Krieg. Das dürfte genau das sein, was sich Terroristen oder auch der Münchner Amokläufer bis über ihren eigenen Tod hinaus wünschen: Aufmerksamkeit von möglichst Millionen!

 

Wir Menschen sind ja bekanntlich in der Lage alles zu erfinden, was man braucht oder auch nicht braucht. Ich hätte dazu eine Idee: Vielleicht sollte mal jemand eine Möglichkeit erfinden, im Falle einer Katastrophe zentral alle Handykameras auszuschalten? Oder wir sollten lernen, mit den heutigen technischen Möglichkeiten verantwortungsvoller umzugehen. Das würde nicht einmal etwas kosten.

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