Warum Du auch mal Schwäche zeigen darfst

Geht Dir das auch manchmal so, dass Du Dich einfach nur verkriechen möchtest? Wenn Du die letzten Tage Revue passieren lässt und feststellst, dass alles anders gelaufen ist, als Du es gewünscht oder geplant hast – mal ganz ehrlich: Das sind doch Moment in denen Du Dir gerne mal wünscht, dass die ganze Welt Dich nur in Ruhe lassen möchte. Oder?

Aber wie das Leben eben oft so spielt, genau in solchen Momenten kommt der beste Freund unerwartet vorbei und möchte sich Trost bei Dir holen, weil er Ärger mit seiner Frau hat. Oder Deine beste Freundin ruft Dich genau jetzt an und fragt dich, ob Du sie nicht bei einem Einkaufsbummel begleiten möchtest. Es gibt ja so viel zu erzählen … "Nein" zu sagen ist kein Zeichen von Schwäche.

Und wie meistens kannst Du nicht "nein" sagen. Du bist für Deine Freunde und Familie immer da und immer erreichbar. Du hörst Dir ihre Sorgen und Probleme an, gibst Rat und bräuchtest dabei selber einmal jemanden, der Dir zuhört und an den du dich anlehnen kannst. Wenn du einen festen Partner oder eine Partnerin hast, ist das oft schon sehr hilfreich. An wen sollte man sich schließlich anlehnen, wenn nicht an seinen Partner? Dennoch sagt Dir auch hier eine innere Stimme: Nur keine Schwäche zeigen! Du möchtest doch auch und gerade für Deinen Partner immer der starke Teil in Eurer Beziehung sein. Also vermeidest Du auch hier das Thema "Schwäche zeigen" und bleibst der, der Du bislang immer warst: Der Fels in der Brandung.

Aber: Auch Felsen werden über die Jahre kleiner. Immerwährendes Wasser lässt sie nach und nach kleiner werden. Mag es bei Steinen Jahrtausende dauern, bis es merklich zu sehen ist, so haben wir Menschen doch ein verhältnismäßig kurzes Leben und die Zeit, bis unsere Stärke "abgespült" wurde, ist sehr überschaubar.


Wir sind nun mal nicht unangreifbar und alles andere als unverwundbar. Unser sprichwörtliches dickes Fell ist gar nicht so stabil, wie man meinen sollte. Auch bei Dir nicht – ganz gleich, wie stark Du Deine eigene Person auch wahrnimmst.

 

Wandle Deine vermeintliche Schwäche zu Deiner Stärke
Vielmehr solltest Du öfter auf Deine innere Stimme hören. Wenn Du merkst, es geht dir schlecht, dann gib Dir und Deiner Seele die Zeit, sich zu erholen. Fühlst Du ein Gefühl der Trauer oder Enttäuschung, weil eben mal wieder nichts nach Plan läuft, dann gib dem Gefühl nach und lass es zu! Und auch wenn Tränen aufsteigen, halte sie nicht zurück. Dein Körper bzw. Deine Seele braucht das, um daraus neue Stärke zu schöpfen. Schwäche zeigen bedeutet auch stark zu sein, denn dadurch, dass Du es tust, stehst Du zu Dir und Deinen Gefühlen. Dürfen starke Männer nicht weinen oder bedeutet es im Konsens, dass weinende Frauen schwach sind? Natürlich lautet hier die Antwort ganz klar "Nein!", denn das sind Denkmuster, die noch aus der Steinzeit stammen dürften. Wobei Überlieferungen, nach denen Steinzeitmänner nicht geweint haben, mir nicht bekannt sind. Lass Dir von anderen Menschen, die dir immer wieder erzählen, wie stark Du bist, ja, wie stark Du zu sein hast, nicht erzählen, wie Du Dein Leben zu führen hast.

Das Gefühl, schwach zu sein, darf man zulassen, man muss es sogar, damit daraus neue Kräfte für die nächsten Herausforderungen geboren werden. Halte Dir vor Augen, wie die Beinamen der großen Feldherren waren: "Hermann, der Cherusker", "Wilhelm, der Eroberer" oder auch "Karl, der Große". Aber noch nie hat man von jemanden gehört, der zum Beispiel "Gerd, der nie weinte" hieß. Alle großen und bekannten Männer und Frauen hatten ihre Zeiten in denen sie sich schwach fühlten. Und Du kannst mir glauben – auch sie ließen ihre Schwäche zu. Was also soll Dich daran hindern, Deine eigenen Schwächen an Dich heranzulassen und mit ihnen umzugehen? Nur Du alleine, wie so oft, bist in diesem Fall der ausschlaggebende Punkt.


Also tu Dir selber den Gefallen und gib Deiner Seele den Spielraum, den sie benötigt, um gesund zu leben. Und mit der Zeit wirst Du feststellen, dass es Dir gut tut, wenn Schwäche zeigen ein Teil Deiner selbst wird.

Florian Heigl
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