Gier frisst eben wieder mal Hirn!

In der Network-Marketing-Branche wird viel erzählt. Das ist hinreichend bekannt. Die Network-Karriere-Redaktion kann und möchte deshalb nicht aus jeder „streng vertraulichen Information“ eine große Story machen. Nehmen allerdings Erfahrungsberichte über fragwürdige Geschäfte und Unternehmen massiv zu, dann schauen wir doch einmal genauer hin und fragen direkt bei den Firmen nach.

So auch bei Frank Heister, der mit der pure begHEISTERungs GmbH nach eigenen Worten firmenunabhängiger Trainer und Coach für Network-Marketing-Vertriebler ist und ihnen in Workshops beibringt, wie man das ganz große Geld macht, oder 20.000 Euro vom Finanzamt zurückbekommt. Solche Geheimnisse kann man allerdings nur erfahren, wenn man ein Ticket zwischen 57 und 397 Euro kauft. Bei letzterem natürlich inklusive VIP-Dinner mit Frank Heister.

 

Peanuts kann man sagen, wenn man bedenkt, dass laut der Frank Heister Homepage 90 Prozent der mitgebrachten Gäste schon alleine wegen des „20.000 Euro vom Finanzamt zurück“-Vortrags sofort einsteigen. Am gleichen Tag bringt der Vortrag „Der Sponsorkönig“ ebenfalls 90 Prozent Einstiegsquote der anwesenden Gäste, heißt es auf der Homepage. Bei 180 Prozent Einstiegsquote muss man wirklich nicht rumgeizen! Auch wenn wohl die wenigsten Networker überhaupt 20.000 Euro Steuern im Jahr zahlen. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

 

Um ganz andere Beträge geht es allerdings bei Frank Heisters Aktion „Days“. Zunächst steigt man als Gast, also kostenlos bei einem Grundtraining ein. Dort kann man dann ein 100er-Buch für 100 Euro kaufen, in das man fleißig einträgt, was man gelernt hat. Wichtig ist, dass man mit weiteren Seminaren weitermacht und natürlich neue Leute mitbringt, die dann in Erwartung auf die große Weisheit des unendlichen Geldverdienens für den lebenslangen Zugang einer Online Schulungs-Plattform 9.000 Euro auf den Tisch des Hauses legen. Lebenslang hört sich gut an, ob das wohl jemand in Anspruch nimmt?

 

Praktisch ist allerdings, dass es dabei für die Beibringung eines neuen Kunden 1.000 Euro Kopfgeld geben soll, was aktuell von Heisters Pressesprecher bestritten wird. „Das machen wir jetzt nicht mehr! Jetzt gibt es nur einen personifizierten Seminargutschein über 500 Euro, der nicht übertragbar ist.“

 

Aber man kann noch höher hinaus, immer das Ziel vor Augen, im Network-Marketing richtig reich zu werden. Für schlappe 25.000 Euro gibt es das Heister-Intensiv-Coaching inklusive vier Tage Dubai oder eine Schulungsleiter-Lizenz für 100.000 Euro. Nun kann bekanntlich jeder sein Wissen beliebig teuer verkaufen, das ist nicht verwerflich, solange der Wissbegierige das bezahlen möchte und kann.

 

Die 15-jährige Erfahrung der Network-Karriere im Network-Marketing-Geschäft sagt allerdings, dass die Großverdiener wohl kaum in solch teure Coachings investieren. Frank Heisters Kunden sind, so sagen zumindest eine Reihe von Teilnehmern, meist Frischlinge in diesem Geschäft, die wohl den festen Willen haben, an das ganz große Geld zu kommen, aber eher in den unteren Einkommensebenen herum dümpeln. Woher also solch horrende Schulungsbeträge nehmen? Nun ja, wie so oft, wenn Vertriebler in das „ganz große Geschäft“ einsteigen und dafür erst mal Bares brauchen, geht man zur Bank, zur Verwandtschaft oder zu Freunden. Wenn dann trotz gutem Willen und allem Coaching das Kind in den Brunnen fällt, dann war wieder das ganze Network-Marketing-Geschäft daran schuld.

 

Freunde, Bekannte und Teamkollegen, die vor solchen riesigen Investitionen in Schulungsprogramme warnen, werden weichgespült belächelt oder auch als Neider beschimpft. Gier frisst eben Hirn!

 

Anscheinend sehen auch andere das Heister-Geschäftsmodell fraglich: Die Network-Karriere hat die Information erhalten, dass wegen des Verdachts der kontoführenden Bank, es könnte sich bei dem Frank-Heister-Geschäftsmodell um ein Schneeball-System handeln, vorläufig die Konten eingefroren worden sein sollen. Wir stellten eine Anfrage an Frank Heister, ob dies den Tatsachen entspricht. Die Antwort kam prompt durch seinen Pressesprecher: „Es stimmt nicht, dass unsere Konten gesperrt wurden. Der Bank ist auch nichts wegen Bedenken eines Schneeballsystems bekannt!“ Wenn dem so sein sollte, haben wir zumindest ein Gerücht aus der Welt geschafft.

 

Bernd Seitz