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Uns geht’s zu gut!

  • 20.01.2022

„Natürlich habe ich mir das iPhone 13 sofort bestellt. Und das neue MacBook Pro direkt dazu, muss ja.“ Muss das wirklich? Keine Frage, ich bin auch Technikfan und immer gespannt, was es Neues am Markt gibt. Doch das ist für mich noch lange kein Grund, jedes Jahr ein super funktionierendes Gerät in die Schublade zu packen. Allerdings habe ich den Eindruck, dass bei vielen der Wunsch überwiegt, immer das Neuste vom Neuen zu haben. Elektromobilität ist jetzt in aller Munde – und Schwups ist der Tesla bestellt oder steht sogar schon vor der Tür. Auch dann, wenn der vorher angeschaffte Benziner erst drei Jahre auf dem Buckel hat. Und es wahrscheinlich deutlich ökologischer wäre, diesen noch eine ganze Weile weiterzufahren.

 

Welcome to Schlaraffenland

 

Mir scheint, viele wissen überhaupt nicht, wie gut es ihnen geht! Ich war das jüngste von drei Kindern – natürlich habe ich von meinen älteren Geschwistern Spielsachen „geerbt“ und Klamotten aufgetragen. Ich habe als Teenager nicht die Zündapp bekommen, die alle hatten. Mehr als eine Honda Camino war nicht drin. War ich deswegen unglücklich? Nein. Und habe ich auf die Sachen Acht gegeben, weil ich wusste, dass meine Eltern einen Ersatz nicht mal eben aus dem Ärmel schütteln konnten? Absolut. Deswegen bin ich auch fassungslos, wenn ich mitbekomme, dass Eltern ihrer Tochter kommentarlos das vierte nagelneue iPhone in einem Jahr kaufen, weil sie die anderen verloren oder in der Toilette versenkt hat. Oder ihrem Sohn ständig neue Markenklamotten sponsern, obwohl der Kleiderschrank schon überquillt. Ohne, dass sie irgendwas dafür tun brauchen.

 

Und wenn diese jungen Menschen dir dann im Bewerbungsgespräch gegenübersitzen, kannst du dich warm anziehen. Denn sie fragen direkt und ohne Umschweife nach den gebratenen Tauben, die du ihnen in deiner Schlaraffenland-Company in den Mund stopfst. Firmenwagen, Tankkarte, Diensthandy, betriebliche Altersvorsorge, am besten nur 35-Stunden-Woche und Rundum-Sorglos-Verpflegung im Büro – die Liste könnte ich noch weiter fortsetzen. Und das, bevor sie überhaupt Leistung erbracht haben. Vielmehr sehen es viele als ihr Grundrecht an, es erst mal so angenehm wie möglich zu haben, bevor sie einen Finger krumm machen.

 

Ich finde das erschreckend. Der Wohlstand hat uns faul und satt werden lassen. Viele Menschen wissen nicht mehr zu schätzen, was sie haben. Und gehen nachlässig mit Dingen um, die sie als selbstverständlich erachten. Weil Ersatz im Handumdrehen da ist, oft innerhalb von 24 Stunden. Doch was ist, wenn irgendwann kein Nachschub mehr kommt? Weil die Ressourcen aufgebraucht sind, mit denen wir so fahrlässig umgehen? Es ist fünf vor zwölf. Wenn wir nicht endlich aufwachen und das Ruder herumreißen, sehe ich schwarz für eine erfolgreiche Zukunft dieses Landes.

 

Martin Limbeck

 

https://martinlimbeck.de

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